Hördiagnostik: Hessen fördert automatisierten Sprachtest
Um dem Fachkräftemangel in der Hörakustik entgegenzuwirken und die Präzision von Hörtests zu steigern, fördern das Hessische Digitalministerium und die Goethe-Universität Frankfurt ein zukunftsweisendes KI-Projekt der Acousticon Hörsysteme GmbH.
Mit knapp 500.000 Euro aus dem Programm „Distr@l“ wird die Entwicklung einer digitalen, automatisierten Hördiagnostik unterstützt, die im Januar 2026 gestartet ist.
Präzisere Diagnostik durch Spracherkennung
Im Fokus steht das Sprachaudiogramm, das im Vergleich zum Standard-Tondiagramm eine deutlich höhere Aussagekraft über das tatsächliche Hörvermögen im Alltag besitzt. Da dieser Test jedoch personalintensiv ist – Patienten müssen Worte nachsprechen, die bisher manuell ausgewertet werden -, soll eine Hör-KI diese Aufgabe übernehmen. Das System kombiniert künstliche Intelligenz mit automatischer Spracherkennung und Multimikrofontechnologie, um Antworten präzise zu erfassen und zu bewerten.
Herausforderungen und klinische Forschung
Eine besondere technische Hürde liegt in der Erkennung von Dialekten sowie undeutlicher Aussprache, die bei Menschen mit Hörverlust häufig vorkommt. Die Abteilung Audiologische Akustik der Universitätsmedizin Frankfurt bringt hierfür ihre Expertise in klinischen Studien und neuen Testmethoden ein, um auch komplexe Geräuschumgebungen im Labor simulieren zu können.
Ziel: Ein neues Medizinprodukt
Nach der dreijährigen Entwicklungs- und Evaluationsphase soll ein zugelassenes Medizinprodukt entstehen, das Hörakustiker entlastet und Fehlerquellen minimiert. In einem nächsten Schritt ist zudem geplant, die Hör-KI für verschiedene Sprachen zu öffnen, um die Versorgung noch inklusiver zu gestalten. Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus betont, dass Hessen mit diesem Projekt Künstliche Intelligenz gezielt dorthin bringt, wo sie die Lebensqualität der Menschen ganz konkret verbessert.