3 Fragen an... Martin Lussem
In unserem monatlichen Format stellen wir drei Fragen an engagierte Personen, um den aktuellen Puls der Hörbranche zu fühlen.
Martin Lussem (Mitte) mit seiner Frau und seinem Gesellen.
Für die Sommerausgabe von Audio Infos 365 befragten wir Martin Lussem, Hörakustik-Meister und Inhaber von Lussem Hörakustik – Der Hörsaal in Hürth.
Seit Anfang 2025 haben Sie Ihr eigenes Geschäft. Warum machten Sie den Schritt in die Selbstständigkeit?
Ich hatte in den beiden Unternehmen, in denen ich meine Ausbildung gemacht habe, das Glück, dass ich mir Zeit für die Menschen nehmen konnte. Das fehlte mir später in der Filiale eines Großunternehmens, in die ich nach dem Meister gewechselt war. Weil ich mit dem Zeitdruck unzufrieden war, habe ich mich selbstständig gemacht. Wir arbeiten zu dritt mit einem weiteren Hörakustik-Gesellen, der auch gelernter Werbetexter ist, und meiner Frau, die mich als Volkswirtin und mit ihrem Blick für Design und allen weiteren anfallenden Aufgaben unterstützt. Natürlich war es anfangs viel Arbeit, um bekannt zu werden. Wir haben eine Rosen-Aktion mit Gratis-Hörtest in einem Einkaufszentrum gemacht, persönliche Zeitungsanzeigen geschaltet, Flyer verteilt. Das Geschäft haben wir selbst umgebaut und es möglichst gemütlich gemacht: Im Warteraum gibt es eine große Couch, bequeme Stühle gerade für ein älteres Klientel, das manchmal gesundheitliche Einschränkungen hat, und eine Kaffeemaschine mit Selbstbedienung. Aktuell haben wir zwei Anpassräume und planen die Eröffnung einer weiteren Filiale.
Wie sieht es mit dem Thema Mitarbeiterfindung aus – zumal Sie sich vergrößern wollen?
Die Personal-Frage ist eine große Herausforderung für die Branche insgesamt. Vielleicht können manche KI-gestützte Programme bei administrativen Tätigkeiten helfen, aber das ersetzt natürlich keinen Angestellten. In unserem Fall bin ich derzeit nicht besorgt, denn aus der Zeit meiner Ausbildung kenne ich hier im Raum Hörakustiker, die mit ihrem Arbeitsplatz unzufrieden sind und die ich ansprechen könnte. Aber so weit ist es noch nicht. Außerdem haben wir eine Bäckerei nebenan mit einem jungen Verkäufer, der den Beruf wechseln will und nun eine Ausbildung bei uns anfangen wird. Ich freue mich, dass ich einen Azubi bekomme, um ihm mitzugeben, was ich selbst gelernt habe. Mir ist es wichtig, ein fairer Arbeitgeber zu sein, bei dem die Angestellten zufrieden sind. Wer bei mir nach einem Jobticket oder einem Firmenwagen fragt, bekommt das auch – warum auch nicht?
Welchen weiteren Herausforderungen stehen Sie gegenüber?
Internet ist ein unfairer Wettbewerber. Deshalb ist es wichtig, den Kunden zu erklären, dass es dort deutlicher billiger ist, weil sie nur für ein Gerät bezahlen – ohne Beratung, Nachbetreuung, den ganzen Service, den wir im Geschäft leisten. Ich habe in einen Klangfinder investiert, also einen Kunstkopf mit zwei Ohren, um verschiedene Geräte zu vergleichen. Außerdem haben wir einen Oto-Scan, mit dem das Ohr dreidimensional abgeformt wird. Das A und O in meiner Arbeit ist für mich die Bedarfsanalyse, um zu wissen, was das Gegenüber braucht. Dabei will ich mir die individuell notwendige Zeit nehmen und mich nicht unter Druck setzen lassen. Auch die regelmäßigen Kontrolltermine sind sehr wichtig. Am Ende des Tages kommt es darauf an, dass der Kunde zufrieden und optimal versorgt ist.