Phonaks Zukunftslounge MissionMorgen

Don't call it Roadshow!

Phonak feierte eine Branchenpremiere: In seiner siebenteiligen Veranstaltungsreihe Zukunftslounge MissionMorgen fiel ganz bewusst kein einziger Produktname.

Jana Herrmann, Veröffentlicht am 28. April 2026

Don’t call it Roadshow!

Audio Infos 365 war nicht nur bei dem ersten Event in Berlin dabei, sondern sprach auch nach der letzten Veranstaltung in Köln mit den Veranstaltern über ihr persönliches Fazit bezüglich des durchaus gewagten Experiments ohne klassische Produktpräsentationen.

Als die Veranstaltungsreihe MissionMorgen im Hause Phonak geplant wurde, wussten die Initiatoren schon längst von dem bevorstehenden Ausbau der Infinio-Plattform, die kurz zuvor als neue technologische Basis eingeführt worden war. Der Startschuss der ersten Zukunftslounge, wie der Hersteller sein neues Eventformat nannte, fand gar im September 2025 und damit nur wenige Tage vor der offiziellen Markteinführung des neuen Audéo R Infinio Ultra, Audéo Sphere Infinio Ultra und Im-Ohr-Gerätes Virto R Infinio statt.

Hersteller am Wendepunkt

„Es war definitiv gewagt, diese tollen Produkte nicht in das Programm unser neuen Veranstaltungsreihe aufzunehmen“, blickt Phonaks audiologischer Leiter Sven Kreher in unserem Gespräch auf das vergangene Jahr zurück. „Aber wir haben uns diesen Schritt sehr lange überlegt. Denn zum einen haben wir das Infinio Ultra und Virto R Infinio schon am Vortag der EUHA im Rahmen eines spektakulären Events in Nürnberg gelauncht, in den darauffolgenden Messetagen den Fokus auf sie gerichtet und die offizielle Markteinführung dieser Produktneuheiten mit diversen Schulungen begleitet. Zum anderen hat uns eine Umfrage, die wir im Frühjahr 2025 an unsere circa 250 Green-Partner geschickt haben, deutlich gezeigt: In Zeiten des stetigen Wandels, in denen wir uns momentan befinden, gibt es auch neue Erwartungen an uns Hersteller. Natürlich ist und bleibt unsere Kernkompetenz die Herstellung von Hörgeräten. Aber auch wir befinden uns an einem Wendepunkt und möchten unseren Partnern heutzutage weitaus mehr als ‚nur‘ Produktneuheiten und Produktwissen bieten.“

Digitaler Service, lokales Marketing und zeitgemäßes Recruiting

Weil ein Hörgerätehersteller jedoch besonders im Dienstleistungsbereich „nicht auf alles eine Antwort geben kann“, holte sich Phonak für seine Zukunftslounge auch Unterstützung von drei externen Experten, die mit den Teilnehmenden in verschiedenen Workshop-Stationen – und wohlgemerkt immer im direkten Austausch mit den Teilnehmenden – verschiedene Strategien zur Stärkung der lokalen Sichtbarkeit und Kundenbindung diskutierten: Verkaufstrainerin Veronika Vehr gab Impulse für persönliche und klar strukturierte Gespräch im Fachgeschäft, Christian Strauch von hellomateo präsentierte digitale Lösungen, die Terminanfragen rund um die Uhr ermöglichen, während Andreas Krause vom JobLocal Tipps gab, um das Personalproblem der Branche mit digitalen und lokal fokussierten Methoden aktiv anzugehen.

Christian Strauch von hellomateo präsentierte digitale Lösungen via WhatsApp und KI-gestützte Chatbots, die Terminanfragen rund um die Uhr ermöglichen.

Christian Strauch von hellomateo präsentierte digitale Lösungen via WhatsApp und KI-gestützte Chatbots, die Terminanfragen rund um die Uhr ermöglichen. ©JH

Wissensdurst und ehrliches Feedback

Phonaks Marketing- und Audiologie-Leiter Steffen Kohl, der im offiziellen Veranstaltungsprogramm der Zukunftslounge immer wieder die Bedeutung lokaler Netzwerke und gezielter Sichtbarkeit unterstrich, zog nach der letzten Veranstaltung in Köln das Fazit: Vielen Hörakustikerinnen und Hörakustikern wurde durch die Phonak Zukunftslounge bewussst, wie viele Dienstleistungsanbieter und Partnerbetriebe ihr Tagesgeschäft unterstützen und optimieren können. Er habe zudem eine enorme Diskrepanz zwischen dem extrem großen Selbstbewusstsein auf der Expertise-Seite und einem sehr niedrigen Selbstbewusstsein beobachten können, wenn es darum geht, die eigene Dienstleistung als Hörakustiker nach aussen darzustellen. Beindruckt habe ihn nach den insgesamt sieben Veranstaltungen der enorme Wissensdurst, viel Ideenreichtum sowie der ehrliche und offene Austausch zwischen den Teilnehmenden, obwohl diese nicht selten regionale Konkurrenten waren.

Diesen Eindruck teilte auch Sven Kreher: Er habe gemerkt, dass schon viele die Chance erkannt haben, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Und zwar nicht nur als Einzelkämpfer, sondern auch als Teil einer „fast verschworenen Gemeinschaft mit einem gemeinsamen Ziel“. Den direkten und offenen Austausch mit den Partnern werde man „auf jeden Fall für zukünftige Veranstaltungsformate mitnehmen“. Schließlich sei ehrliches Feedback auch für die Produktentwicklung extrem wichtig, so Kreher.

Don’t call it Roadshow!

Ganz bewusst habe man sich zudem dafür entschieden, die Veranstaltungsreihe nicht als Roadshow, sondern als Zukunftslounge zu bezeichnen. Denn der Begriff Roadshow werde auf Partnerseite vorwiegend mit Produktneuheiten assoziiert, das habe auch das Feedback der Green-Partner gezeigt. Der Titel Zukunftslounge MissonMorgen umschreibe dagegen sehr genau, wie sich Phonak ab sofort positionieren will: „Wir möchten unseren Partnern nicht nur tolle Hörgeräte und Produktwissen, sondern auch globalere Themen und Services vermitteln.“

Happy Faces: Phonak-Mitarbeitende und externe Experten zeigten sich mit den insgesamt sieben Veranstaltungen augenscheinlich zufrieden.

Happy Faces: Phonak-Mitarbeitende und externe Experten zeigten sich mit den insgesamt sieben Veranstaltungen augenscheinlich zufrieden. ©SK

Unterstützung auf höchster Ebene

Der Mut, als Hörgerätehersteller ein neues Eventformat anzubieten, in dessen offiziellem Programm kein einziger Produktname fällt, wurde übrigens auch von Beginn an von Cristina Cantarell Pedemonte unterstützt, die vor zwei Jahren die Geschäftsführung der Sonova Deutschland GmbH übernommen hat. Sie selbst war auf den Veranstaltungen in Berlin und Frankfurt dabei, aber würde auch generell und regelmäßig Sonovas Mitarbeitende in Fellbach dazu animieren, ungewohnte und neue Dinge auszuprobieren – und das nicht nur produkttechnisch. „Für Christina ist es klar, dass sie schon seit einiger Zeit verstanden hat, dass es auch für uns Hersteller in neue Richtungen geht, für die Mut und Kreativität unerlässlich sind“, fasste Sven Kreher am Ende unseres Gesprächs Sonovas aktuelle Firmenphilosophie zusammen.

Jana Herrmann