opti 2026: Inspiration für alle Sinne

Die internationale Fachausstellung für Optik und Design machte Lust auf Zukunft.

Barbara Buenaventura , Veröffentlicht am 23. Januar 2026

opti 2026: Inspiration für alle Sinne

Rund 22.000 Besuchende und mehr als 350 Aussteller aus dem In- und Ausland nutzten drei intensive Messetage in München zum Netzwerken, Ordern und für strategische Überlegungen – erstmals mit einem spürbar stärkeren Fokus auf die Hörakustik.

Dass dem Thema Hören auf der größten deutschen Optikmesse künftig mehr Raum gegeben werden soll, hatte opti Director Cathleen Kabashi bereits im Vorfeld angekündigt, unter anderem in einem ausführlichen Interview mit Audio Infos 365 (wir berichteten in unserer Januarausgabe). Entsprechend gespannt blickte die Branche auf die Umsetzung des ambitionierten Konzepts – und auf die Reaktionen von Ausstellern und Besucher*innen.

Auf über 250 Quadratmetern entwickelte sich die opti SPHEARE zum zentralen Anlaufpunkt für alle, die sich mit der Integration der Hörakustik in den Optikbetrieb beschäftigen – oder diesen Schritt bereits gegangen sind. In Halle C3 präsentierten Anbieter wie actric, Bellman & Symfon, Meditrend, Netzwerk Hörgesundheit & terzo-Institut, Nuance Audio, oton & friends, Sinfona, Smart Optics Sensortechnik sowie Sound & Silence Lösungen, die Optikbetrieben den Einstieg in die Hörakustik erleichtern und neue Umsatzfelder eröffnen sollen. Flankiert wurde das Ausstellungskonzept von interaktiven Sessions, Talks und Vorträgen, die sich praxisnah und mit klarem Mehrwert der Frage „Warum Hörakustik jetzt?“ widmeten.

„Warum Hörakustik jetzt?" Diesen Titel trug auch die Eröffnungssession der opti SPHEARE, die Carsten Riewe, Vertriebsleiter und „Captain Future" beim Hörakustiknetzwerk oton & friends, in sympathischer Hands-on-Manier gestaltete.

„Warum Hörakustik jetzt?“ Diesen Titel trug auch die Eröffnungssession der opti SPHEARE, die Carsten Riewe, Vertriebsleiter und „Captain Future“ beim Hörakustiknetzwerk oton & friends, in sympathischer Hands-on-Manier gestaltete. ©BB

Diesen Titel trug auch die Eröffnungssession, die Carsten Riewe, Vertriebsleiter und „Captain Future“ beim Hörakustiknetzwerk oton & friends, in sympathischer Hands-on-Manier gestaltete. Die Demografie spiele dem Geschäft in die Karten, so Riewe: Mit derzeit doppelt so vielen 60-Jährigen wie 75-Jährigen wachse eine starke Kundengruppe heran, die gut informiert, technologieoffen und bereit sei, in ihre Seh- und Hörgesundheit zu investieren. Für Mischbetriebe ergebe sich daraus eine doppelte Chance: „Um in der Hörakustik erfolgreich zu sein, braucht man Kunden. Und in eurem Fall sind sie schon da – sie sind bereits im Geschäft!“ Der etablierte Betrieb vor Ort habe als vertraute Marke einen klaren Vorsprung gegenüber neuen Anbietern.

„Wenn ich dir schon meine Augen anvertraue – warum dann nicht auch meine Ohren?“

Die feinen Unterschiede zwischen Optik- und Hörakustikberatung beleuchtete Andreas Perscheid von Sound & Silence. Während die Brille als Lebensgefühl mit Stil und Emotionen verkauft werde, stehe beim Hörgerät die Technik im Fokus. Nötig sei daher eine Anpassung der Beratungslogik – mit mehr emotionaler Tiefe und einem entscheidenden Twist: Hörsysteme müssten ins Leben integriert werden, Teil der Identität sein und dürften nicht als Technikprojekt starten. „Wenn Hören genauso erlebbar und emotional beraten wird wie das Sehen, steigen Vertrauen und Kompetenz in beiden Bereichen“, so Perscheid.

Doch nicht nur Mischbetriebe müssen ihre Kundenansprache je nach Disziplin feinjustieren. Auch Betriebe, die ausschließlich Optik oder Hörakustik anbieten, werden sich umstellen müssen, um die „neuen Alten“ zu erreichen. In einem Panel diskutierten Kay Stamer von der Brillenversicherung Deutschland, Janin Schmelzer von Optimus Hearing und Anne Lazar von Sabine Siegmund e. K. über die „anspruchsvollste Generation aller Zeiten“. Einigkeit herrschte darin, dass für die jüngere, technikaffinere und kaufkräftigere Zielgruppe nicht nur andere Argumente zählen als bisher – Stichwort Kostenübernahme -, sondern auch ein stärker individueller Einbezug in Produkte und deren Anwendung. „Das Umdenken im Kopf bei der Kundenansprache ist keine Option, sondern ein Muss“, brachte es Kay Stamer auf den Punkt.

Bemerkenswert war die durchgängige Praxisnähe sämtlicher Diskussionen auf der opti SPHEARE Bühne – auch bei potenziell sensiblen Themen wie Nachwuchsgewinnung oder den Herausforderungen interdisziplinärer Teams. Das Publikum dankte es nach anfänglicher Zurückhaltung mit teils übervollen Sitzreihen und engagierten Rückfragen nach den Sessions, bei denen Kärtchen getauscht und Kontakte geknüpft wurden.

Erneut waren viele Akteure aus der Hörakustik-Branche als Ausstellende und Besuchende vor Ort- darunter auch Dr. Stefan Zimmer und Katarina Sipple vom Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI). 

Erneut waren viele Akteure aus der Hörakustik-Branche als Ausstellende und Besuchende vor Ort- darunter auch Dr. Stefan Zimmer und Katarina Sipple vom Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI). ©privat 

Starke Community, Inspiration und konkrete Chancen

„Die opti lebt vom Austausch und vom Miteinander. 2026 haben wir erneut gespürt, wie stark unsere Community ist und wie wichtig persönliche Begegnungen, Inspiration und praxisnahe Inhalte für die Branche sind“, resümierte Cathleen Kabashi nach der Messe. Tatsächlich zog sich der Netzwerkgedanke wie ein roter Faden durch alle Messebereiche: etwa auf der opti DESIGN STAGE, wo Expert*innen Design- und Marktfragen in praxisnahen Talks einordneten und die Fassungen des opti FRAME AWARD zur Abstimmung auslagen. Eyecatcher und Socializer zugleich war die Kontaktlinsen-Plattform TOMORROW VISION mit Fokus auf Produkte für sportlich aktive Kund*innen – inklusive atemberaubender Praxisbeispiele. Nicht zuletzt brachte der opti NEXT GENERATION HUB mit Connect-Formaten für den Branchennachwuchs, geführten Rundgängen und Beratungsangeboten für angehende Selbstständige Besuchende mit Expert*innen und Angeboten zusammen und inspirierte zu neuen Ideen.

Vom Debüt der opti SPHEARE und dem enormen Interesse an der Verbindung von Augenoptik und Hörakustik zeigte sich Cathleen Kabashi begeistert. Im Gespräch mit Audio Infos 365 sagte sie: „Wer heute über Sichtbarkeit spricht, muss auch das Hören mitdenken. Genau das haben wir mit der opti SPHEARE erlebt. Sie ist eine neue Plattform, ein physischer Raum auf der opti, in dem beide Bereiche erstmals in dieser Form zusammenkommen – fachlich fundiert, wirtschaftlich relevant und konsequent zukunftsorientiert.“ Es sei großartig gewesen zu sehen, wie offen und interessiert Besucherinnen und Besucher diesen neuen Raum angenommen hätten. Damit erhalte die opti eine neue Dimension – und die Branche neue Impulse sowie konkrete Chancen für innovative Services und moderne Kundenbeziehungen.

Audio Infos 365 lag auf der opti 2026 zum zweiten Mal in Folge für die Besuchenden der Münchner Messe aus. 

Audio Infos 365 lag auf der opti 2026 zum zweiten Mal in Folge für die Besuchenden der Münchner Messe aus. ©privat

Auch von den Ausstellern aus der Hörakustik erhielt das interdisziplinäre Konzept viel Lob. „Wir sind total begeistert von unserem ersten Auftritt auf der opti“, sagte etwa Janine Otto, Vorständin von MediTrend. Als Einkaufsverbund habe man den Fokus auf Netzwerken gelegt, darauf, Hörakustik stärker mit der Augenoptik zu verbinden und neue Mitglieder zu gewinnen. Den Netzwerkgedanken weiter zu vertiefen, sei einer der vielen Impulse, die sie von der Messe mitnehme. „Die Messe hat sich für MediTrend in jeder Hinsicht gelohnt – insbesondere durch die vielen hochwertigen Gespräche auf der opti SPHEARE.“

Zurück zu Carsten Riewe von oton & friends, der sich ebenfalls nicht über mangelnden Austausch beklagen konnte. Während der drei Messetage sprach er am Stand gegenüber der opti SPHEARE Bühne mit zahlreichen Fachkräften aus unterschiedlichen Disziplinen. „Wir waren begeistert, wie neugierig und aufgeschlossen die Besucher*innen dem Thema Hörakustik begegnet sind. Und wir sind überzeugt, dass es den Rahmen der opti SPHEARE gebraucht hat, um diesem Interesse einen sichtbaren und attraktiven Anlaufpunkt zu geben“, so Riewe. Den nach eigenen Worten „impulsiv und schnell getroffenen“ Entschluss zur Teilnahme an der opti hat das Unternehmen nicht bereut. Mit seinen Beweggründen spiegelte Carsten Riewe zugleich den Geist der diesjährigen Messe wider: „Uns durchdringt der Geist der Chance. Jede Entscheidung kennt doch immer zwei Wege: No-No oder Go-Go. Wir gehen mit einem Go-Go los.“

Barbara Buenaventura