3 Fragen an... Leonard Landsmann 

In unserem monatlichen Format stellen wir drei Fragen an engagierte Personen, um den aktuellen Puls der Hörbranche zu fühlen.

Birgit Holzer, Veröffentlicht am 12. Mai 2026

3 Fragen an… Leonard Landsmann 

Für die Maiausgabe von Audio Infos 365 befragten wir Leonard Landsmann, Hörakustiker und Inhaber von Landsmann Hörakustik in Bonn-Bad Godesberg und Meckenheim.

Sie haben innerhalb von drei Jahren zwei Geschäfte gegründet. Wie kam es dazu?

Der Auslöser für den Weg in die Selbstständigkeit war Unzufriedenheit mit meinem letzten Arbeitgeber. Ich habe bei einem alteingesessenen Familienvertrieb gelernt und war dort auch sehr zufrieden, aber nach einem Verkauf hat sich die Situation geändert. Denn es wurden Arbeitsabläufe standardisiert und vereinheitlicht, doch für mich galt immer, dass nicht jeder Kunde gleich ist und damit auch nicht gleich behandelt werden kann, weil die Bedürfnisse verschieden sind. Ich bin kein reiner Verkäufer, sondern als Hörakustiker arbeite ich mit Menschen, muss und möchte ihnen eine Hilfestellung geben und individuell auf jeden eingehen. Durch einen Arbeitgeberwechsel ging es dann zwar wieder in eine bessere Richtung, doch das neue Unternehmen hinkte technisch hinterher. So traf ich die Entscheidung, mit meiner Partnerin Dorothee Senf eine Firma zu gründen. 2023 eröffneten wir ein erstes Fachgeschäft in Bonn-Bad Godesberg und 2025 ein zweites in Meckenheim.

Welche Erfahrungen haben Sie seitdem gemacht?

Auffällig war, dass viele Kunden zu uns wechselten, die zuvor in einem anderen Geschäft falsch beraten worden waren. Daran zeigten sich eine nachlassende Anpassqualität und fehlende Fachkenntnis, die ich leider in der Hörakustik insgesamt feststelle. Ich bin Gastdozent an der Akademie für Hörakustik, wo ich im Rahmen der betrieblichen Lehrlingsausbildung Audiologie, Hörsysteme und Anpassung unterrichte. Der Kurs findet am Ende der Ausbildung und unmittelbar vor der theoretischen Gesellenprüfung statt, doch die Schere beim Wissensstand der Schülerinnen und Schüler geht erstaunlich weit auseinander. Manche sind sehr leistungsstark, bei anderen herrschen Lücken. Die Gründe hierfür sind teils individuell, teils auch bei den Betrieben zu suchen. Langfristig bestehen hier Risiken, weil Fachkräftemangel ein wichtiges Thema in der Hörakustik ist.

Bilden Sie selbst auch aus?

Wir haben derzeit eine Stellenausschreibung für einen Auszubildenden. Wir suchen eine Person mit dem notwendigen Grundgerüst, um darauf aufzubauen. Ein Azubi ist nicht einfach eine günstige Arbeitskraft, sondern es geht darum, Zeit und Energie zu investieren. In dem Beruf ist einiges gefordert: Empathie und handwerkliches Können, Kenntnisse in Biologie, technische Begabung und ein gewisses Feingefühl, um die Kunden abholen zu können. Leider gibt es eine starke Konzentration auf die universitäre Ausbildung, dabei ist es wichtig, auch den Ruf des Handwerks zu verbessern. Aktuell haben wir drei Mitarbeiter in beiden Geschäften und wir stellen im Herbst eine zusätzliche Meisterin ein, die viel Erfahrung mitbringt. Wir haben uns dagegen entschieden, Marketing zu machen, denn wenn noch mehr Kunden kämen, müssten wir Abstriche machen, entweder die Terminlaufzeit verkürzen oder einen größeren Vorlauf einplanen – aber das sind für uns keine Optionen. Wir nehmen uns für jeden die Zeit, die er oder sie braucht und stellen Qualität über Quantität.

Birgit Holzer