Flughafen Frankfurt testet Auracast-Technologie
Der Flughafen Frankfurt übernimmt eine Vorreiterrolle in der digitalen Barrierefreiheit und testet in einer branchenübergreifenden Kooperation und als erster Airport der Welt die neue Bluetooth-Funktion Auracast™ Broadcast Audio.
Am Mittwoch, den 28. Januar 2026, wurde die weltweit erste Flughafeninstallation von Auracast vor circa 50 geladenen Gästen offiziell in Betrieb genommen.
In einem Pilotprojekt an den Gates A16 und A17 im Terminal 1 werden öffentliche Durchsagen seit Ende Januar und zwei Monate lang direkt als Audiostream übertragen. Passagiere können wichtige Informationen wie Boarding-Aufrufe oder Flugänderungen direkt über ihre eigenen Hörsysteme, Kopfhörer oder Smartphones empfangen.
Bisher ist das Verstehen von Gate-Durchsagen in belebten Terminals eine Herausforderung. Hintergrundgeräusche, Hall und die Distanz zu den Lautsprechern erschweren die Informationsaufnahme – auch für hörgesunde Menschen. Auracast bricht dieses Muster auf. Basierend auf der neuen Bluetooth-Funktion wird die Tonspur der Durchsage direkt in einen digitalen Audiostream umgewandelt und Passagiere können diesen Stream mit ihren eigenen Auracast-fähigen Endgeräten – seien es modernste Hörsysteme, handelsübliche Ohrhörer oder Smartphones – empfangen. Die Durchsage landet glasklar und ohne Verzögerung direkt im Ohr, so als würde der Reisende telefonieren oder Musik hören.
Pilotphase an den Terminals A16 und A17
In Kooperation mit GN Hearing, Sittig Technologies, Samsung, Google und der Bluetooth Special Interest Group (SIG) wird damit das Ziel eines inklusiven und „stillen“ Flughafens Realität – zumindest während des zweimonatigen Testbetriebs an den Gates A16 und A17 im Frankfurter Terminal 1. Gefördert durch das Programm Distr@l des Landes Hessen, verbindet das Vorhaben Forschung und Industrie auf höchstem Niveau.

Für die Auracast-Demonstration wurden Geräte von Samsung bereitgestellt, einige geladene Gäste verwendeten aber auch ihre GN-Hörsysteme oder persönlichen Kopfhörer. ©JH
Synergie der Technologiepartner: Integration ohne Umbau
Ein entscheidender Vorteil der gewählten Lösung ist zudem die technische Effizienz. Sittig Technologies, Spezialist für Ansagesysteme an Verkehrsknotenpunkten, hat Auracast™ direkt in die bestehende IP-Infrastruktur integriert. Die bereits installierten PAXModular-Sprechstellen fungieren nun als Sender, ohne dass bauliche Veränderungen am Gate notwendig waren. Johannes Sittig, CEO US von Sittig Technologies, betonte bei dem Event in Frankfurt: „Wir definieren die Kommunikation am Flughafen neu. Durch die Integration in unsere PAXGuide-Plattform verwandeln wir anonyme Lautsprecherdurchsagen in einen persönlichen Audiodienst.“
Inklusion trifft auf das „Silent Airport“-Konzept
Auch Peter Justesen, Präsident von GN Hearing, sieht in der Vision des „Silent Airports“ einen Wendepunkt: „Wir verbessern das Reiseerlebnis besonders für Menschen mit Hörverlust signifikant. Sie erhalten einen klaren Zugang zu Informationen und können ihre Reise mit deutlich mehr Zuversicht antreten.“ Repräsentanten von Samsung Electronics unterstrichen wiederum die Bedeutung der stabilen Konnektivität. Die Integration von Auracast in das mobile Ökosystem ermögliche eine nahtlose Verbindung bei hoher Batterieeffizienz – ein kritischer Faktor in stark frequentierten Umgebungen wie dem Frankfurter Flughafen.
Den Bekanntheitsgrad erhöhen
Doch bis solche Überlegungen flächendeckend umgesetzt werden können, müssen zunächst fundierte Erfahrungen gesammelt und potenziell Nutzende für die neue Technik sensibilisiert werden. Denn viele Menschen kennen Auracast noch nicht, und das nicht nur im Endkundenbereich. In der abschließenden Podiumsdiskussion sagte zum Beispiel Marcel Brühne, zuständig für Passenger Solutions am Frankfurter Flughafen, dass er von der Auracast-Technologie erst durch die Gespräche zur Umsetzung des Pilotprojekts erfahren habe. Und selbst im IT-Bereich gebe es noch erhebliche „Wissenslücken“.
Erschwerend kommt hinzu, dass nur in der Hörgeräteindustrie der Name Auracast konsequent verwendet wird. Hersteller anderer Branchen vermeiden den Begriff oder wählen andere Namen wie Shared Audio, Audio Sharing oder Broadcast. Für Endverbraucher*innen ist es dementsprechend nicht immer einfach, herauszufinden, ob das eigene Gerät Auracast-kompatibel ist oder eben nicht.

Im Abschlusspanel der Veranstaltung standen im Besucherzentrum Vetreter und Verterinnen der Fraport AG, GN Hearing, Samsung, Google und der Bluetooth Special Interest Group (SIG) Rede und Antwort. ©JH
Wie geht es nun weiter?
Am Frankfurter Flughafen, der von rund 63 Millionen Passagiere pro Jahr genutzt wird, machen große Aufkleber an den Säulen der Test-Gates auf Auracast aufmerksam. Zu sehen sind darauf das blaue Symbol mit dem Ohr, das man von Telecoil-Anlagen kennt – nun allerdings mit einem großen A in der Ecke – sowie ein QR-Code mit dem offiziellen Auracast-Logo in der Mitte. Wer ein Android-Smartphone hat, kann den Code einfach mit der Kamera scannen. Apple-Nutzer*innen hingegen brauchen einen QR-Code-Scanner, da Apple das Auracast-Format noch nicht versteht.
Um das Feedback von Reisenden und Personal auszuwerten und die Auswirkungen auf den Komfort und die Barrierefreiheit nachhaltig zu quantifizieren, begleitet die Frankfurt University of Applied Sciences das Projekt wissenschaftlich. Sollte der Pilotbetrieb die Erwartungen erfüllen, könnte das „Modell Frankfurt“ bald Schule machen und die internationale Luftfahrtlandschaft nachhaltig verändern. So kam es sicher nicht von ungefähr, dass sich unter den anwesenden Gästen auch ein Mitarbeiter vom Flughafen München befand. Global betrachtet ist die Auracast-Technologie jedenfalls ein bedeutender Schritt für die Inklusion, da sie insbesondere den weltweit 1,5 Milliarden Menschen mit Hörverlust den Reisealltag massiv erleichtern kann.