Verbände der Hörbranche fordern Stopp von Ausschreibungen in der Hörversorgung

In einer gemeinsamen Stellungnahme haben sich führende Organisationen der Hörgesundheit nachdrücklich gegen Ausschreibungsmodelle in der Hörgeräteversorgung ausgesprochen.

Jana Herrmann, Veröffentlicht am 20. Oktober 2026

Verbände der Hörbranche fordern Stopp von Ausschreibungen in der Hörversorgung

In einer gemeinsamen Stellungnahme an Bundesgesundheitsminister Dr. Carsten Linnemann sowie Vertreter des Bundestages haben sich führende Organisationen der Hörgesundheit – darunter der Deutsche Hörverband (DHV), der Deutsche Schwerhörigenbund (DSB), die Deutsche Cochlea Implantat Gesellschaft (DCIG), die Deutsche Tinnitus-Liga (DTL), der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte (BVHNO), die Europäische Union der Hörakustiker (EUHA) und der Bundesverband der Hörsysteme-Industrie (BVHI) – nachdrücklich gegen Ausschreibungsmodelle in der Hörgeräteversorgung ausgesprochen.

Die Unterzeichnenden betonen, dass Hörversorgung eine hochindividuelle Gesamtleistung ist, die medizinische Diagnostik, maßgeschneiderte Hörakustik und eine langjährige persönliche Betreuung vereint. Ein rein preisgetriebenes Vergabeverfahren gefährde diese eingespielten Versorgungsstrukturen und unterbreche wichtige Betreuungsverhältnisse. Exklusive Versorgungsverträge würden dazu führen, dass Patienten ihre gewohnten Fachgeschäfte vor Ort verlieren, was insbesondere älteren und mobilitätseingeschränkten Menschen durch längere Anfahrtswege die Nachsorge erschwert.

Zudem argumentiert die Initiative, dass Hörgeräte trotz industrieller Fertigung keine austauschbare Standardware seien. Der tatsächliche Nutzen bemisst sich am individuellen Verstehensgewinn im Alltag und nicht an der bloßen Anzahl mehrkostenfreier Katalogmodelle. Auch unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten greifen reine Zuschlagspreise zu kurz, da sie verdeckte Folgekosten durch Übergaben, Mehraufwände und die Schwächung regionaler Versorgungsstrukturen ignorieren. Die Verbände fordern daher den Erhalt von echter Wahlfreiheit, Kontinuität und einer flächendeckenden, wohnortnahen Betreuung.

Jana Herrmann