Fördergemeinschaft Gutes Hören

FGH: Fokus auf Aufbruch und Dynamik

Seit rund zwölf Monaten hält Julia Strauch die Fäden der Fördergemeinschaft Gutes Hören (FGH) in der Hand.

Jana Herrmann, Veröffentlicht am 27. März 2026

FGH: Fokus auf Aufbruch und Dynamik

Es war ein Jahr der Beschleunigung: Mit einer klaren „Offen für Neues“-Mentalität, verstärkter digitaler Präsenz und neuen Kooperationen macht sie mit ihrem Team die traditionsreiche Gemeinschaft fit für aktuelle Herausforderungen in der Hörakustikbranche. In unserem Exklusivinterview zieht die Geschäftsführerin eine erste Bilanz, spricht über strategische Partnerschaften wie die mit PROAURIS und erklärt, dass zum 60-jährigen Jubiläum die FGH vor allem ihre Partnerbetriebe in den Mittelpunkt stellt und sie mit starken regionalen Maßnahmen „beschenkt“.

Frau Strauch, Sie haben die Geschäftsführung der Fördergemeinschaft Gutes Hören vor genau einem Jahr übernommen. Was konnten Sie seitdem anstoßen und bewegen?

Ein wesentlicher Punkt ist der Kontakt zu unseren Mitgliedern und der direkte Austausch mit ihnen. Zusätzlich zum Tagesgeschäft setzen wir uns in sogenannten Round Tables regelmäßig zusammen und diskutieren, welche Wünsche und Bedarfe unsere Partner haben und inwiefern wir sie als Fördergemeinschaft in ihrem Geschäftsalltag noch effektiver unterstützen können. Zum anderem erproben und setzen wir neue Ideen schnell und unbürokratisch um. So haben wir zum Beispiel Ende letzten Jahres an einem Hausärztekongress als Aussteller teilgenommen und dort über die Rolle und das Handwerk der Hörakustiker informiert. Das kam richtig gut an. Und wir haben auch festgestellt, dass es selbst bei dieser Berufsgruppe, die täglich viele Patienten mit Hörproblemen in ihren Praxen sehen, noch viel Aufklärungsbedarf gibt. Das Interesse bei dieser Ärztegruppe ist groß und wir werden diese Aktivitäten definitiv weiterführen und unsere Partner miteinbeziehen. Darüber hinaus wollen wir erreichen, dass uns alle Hörakustiker stärker wahrnehmen. Deshalb haben wir die Fördergemeinschaft auch für Nicht-Mitglieder mit attraktiven Angeboten geöffnet und bieten seit vergangenem Sommer eine dreimonatige Probe-Mitgliedschaft an. Außerdem können Nicht-Mitglieder unser FGH-Hörmobil für ihre Neukundenaktionen anmieten. FGH-Partner zahlen nur 890 Euro pro Tag, für Nicht-Mitglieder kostet es 1490 Euro. Das ist immer noch konkurrenzlos günstig und wird gut angenommen. Und letztlich hat die FGH ihre Aktivitäten im Online-Marketing extrem ausgebaut, weil wir so unsere Reichweite besser messen und sie dadurch noch zielgerichteter und effektiver nutzen können.

Wie lautet Ihre generelle Vision für 2026?

Unsere Hauptaufgabe bleibt die bundesweite Aufklärungsarbeit über gutes Hören und die Sensibilisierung für dieses Thema. In diesem Rahmen positionieren wir die unabhängigen und inhabergeführten Hörakustiker als den Ansprechpartner Nummer 1 in der Bevölkerung und unterstützen unsere FGH-Partnerakustiker individuell und regional umfassend. Auch mit unserer Nachwuchskampagne setzen wir ein deutliches Zeichen für diesen zukunftsträchtigen Gesundheitsberuf. Natürlich wollen wir auch weiter wachsen. Denn je mehr Mitglieder wir sind, desto stärker können wir nach außen auftreten, mehr bewegen und die gesamte Branche in der breiten Öffentlichkeit stärken. Von der Mitgliedschaft in einer neutralen und herstellerunabhängigen Organisation profitieren angesichts der aktuellen Entwicklungen vor allem die kleineren und mittelständischen Hörakustikbetriebe.

Wie stellen Sie sicher, dass kleine Fachgeschäfte genauso von der FGH profitieren wie größere Betriebe?

Unser Angebotsportfolio hat so viel zu bieten, dass für jeden etwas dabei ist – angefangen beim Hörmobil, der Unterstützung bei Regional- oder Ausbildungsmessen, über die Erstellung oder Optimierung einer Webseite und Vorlagen für Social Media-Kampagnen inklusive Werbeguthaben, die neue Kooperation mit axregio, individualisierte TV-Werbung und Großflächen bis hin zum individuellen Pressetext – jedes FGH-Mitglied profitiert von wertvoller Unterstützung und enormer Zeitersparnis im Arbeitsalltag und auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg.

Sie unterstreichen auch immer wieder die Kooperation mit PROAURIS zur Kundengewinnung. Welchen messbaren Vorteil bietet dieser exklusive Zugang den FGH-Partnern im lokalen Wettbewerb ?

Mit der Firma PROAURIS haben wir einen starken Partner an unserer Seite: Als spezialisierter Lead-Generator für Hörakustik-Fachbetriebe schlägt er praktisch eine Brücke zwischen Online-Interessenten und dem lokalen Fachhandel mit potenziellen Neukunden, die sonst vorbei rauschen würden. Und das alles zu exklusiven Sonderkonditionen.

Die FGH ist mittlerweile auch auf TikTok, YouTube, LinkedIn, Instagram und Facebook vertreten. Wie gelingt Ihnen der Spagat, auf digitaler Ebene sowohl potenzielle Azubis als auch Senioren zu begeistern?

Sehr gut (lacht). Aber im Ernst: Es ist wirklich spannend, dass man anhand der Statistiken heute genau erkennen kann, wo und wie sich welche Zielgruppe bewegt. Wir schauen uns das Userverhalten jeden Monat genau an und streuen dementsprechend unterschiedlichen Content auf unseren diversen digitalen Plattformen. Auf TikTok zum Beispiel, wo hauptsächlich sehr junge Menschen unterwegs sind, braucht es bewegte Bilder, also Kurzvideos. Klassisches Bildmaterial funktioniert dort eher nicht. Das nutzen wir verstärkt auf Facebook und Instagram, um die älteren Zielgruppen zu erreichen. Auf Facebook haben wir übrigens die Gruppe „Hören, Schwerhörigkeit, Hörgeräte“ ins Leben gerufen. Auch hier klären wir über den Beruf und die Aufgaben des Hörakustikers auf, erreichen aber auch insbesondere Betroffene und deren Angehörige. Sie können sich in dieser Gruppe allgemein zum Thema Hören oder zu Hörverlust und Hörsystemen direkt mit Erfahrungen und Tipps austauschen. Wir als FGH tragen so dazu bei, dass sich Menschen nicht scheuen, über ihre Hörprobleme mit anderen zu sprechen. Sowohl bei älteren Generationen als auch bei jüngeren Altersgruppen findet die Facebook-Gruppe erfreulich viel Anklang – wir bekommen täglich neue Aufnahme-Anfragen.

Stichwort Prävention: Warum ist es für die FGH strategisch wichtig, auch Menschen ohne aktuelle Hörminderung anzusprechen?

Durch vorsorgliche Aufklärung bringen wir das wichtige Thema Hörgesundheit frühzeitig ins Bewusstsein und Betroffene rechtzeitig in die Versorgung. Gleichzeitig ist es auch wichtig, dass Betroffene von ihren Angehörigen sensibilisiert und unterstützt werden. Wir thematisieren dafür auch Gehörschutz, Lärmvermeidung oder Stress durch Höranstrengung. Und natürlich betreiben wir viel Aufklärungsarbeit über das Thema Onlineverkauf, das bei Verbrauchern durchaus präsent ist. Aber eine Hörversorgung ist nun mal sehr individuell und ihr Erfolg vom persönlichen Kontakt mit einem Hörakustiker bestimmt – deshalb gibt es sie am Ende nur im Fachgeschäft vor Ort.

Dieses Jahr feiert die Fördergemeinschaft ihr 60-jähriges Bestehen. Sind zu diesem Anlass besondere Aktionen geplant?

Wir werden unser Jubiläum auf dem nächsten FGH-Abend im Rahmen des EUHA-Kongresses in Hannover groß feiern und freuen uns über besonders viel Gäste zu diesem Anlass. Daneben sollen aber vor allem unsere Akustikpartner das 60-jährige Bestehen der FGH feiern. Dafür bereiten wir entsprechende Aktionen und Angebote vor, wie beispielsweise lokale und individuelle Radiospots auf Klassik Radio und noch einiges mehr.

Das Jubiläum, aber noch mehr strukturelle Entwicklungen innerhalb der Branche und im Gesundheitswesen sind Anlass genug, unser FGH-Signet in der breiten Öffentlichkeit bekannter zu machen. Das Qualitätssiegel für unabhängige inhabergeführte Fachgeschäfte steht für die persönliche Versorgung und Beratung von Mensch zu Mensch. Für unsere Partnerakustiker ist es zudem ein hervorragendes Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Onlinehandel und den Großfilialisten. Aber: Solche Initiativen leben immer vom Engagement unserer Partner, indem sie unsere Angebote, Materialien und Kampagnen intensiv nutzen. Ein gutes Beispiel ist unsere FGH-Webseite. Sie verzeichnet pro Monat 30.000 bis 40.000 Aufrufe von Personen, die sich für verschiedenste Aspekte des Hörens interessieren. Davon nutzen über 6.000 monatlich die Akustikersuche, die umso effektiver ist, je mehr Informationen zu den Partnerbetrieben dort vorhanden sind. Dafür bieten wir die kostenlosen Online-Partnerprofile an. Mein Appell deshalb an unsere Akustikpartner: Nutzt eure Profile in der Akustikersuche auf der FGH-Webseite und aktualisiert sie regelmäßig. In diesem Zusammenhang möchte ich auch unsere Werbeguthaben für Google-Ads und Social Media-Kampagnen nennen, mit denen wir unsere Partner bei ihrer Online-Sichtbarkeit unterstützen. Ein weiterer Appell an alle Hörakustikerinnen und Hörakustiker lautet: Meldet eure freien Stellen bei den zuständigen Handwerkskammern und Arbeitsagenturen! Denn wir bekommen immer wieder und insbesondere auf Azubi-Messen mitgeteilt, dass über den zukunftsträchtigen Beruf des Hörakustikers in den Schulen informiert wird, wenn auch offene Stellen, Ausbildungs – oder Praktikumsplätze gemeldet werden.

Frau Strauch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Jana Herrmann