Mehr Sichtbarkeit am Welttag des Hörens - doch wie?
Mit einem Augenzwinkern wirft jeden Monat unser Autor und Fachjournalist Stephan Geist einen Blick auf die Fragen, die jeden Tag entstehen - in unserem alltäglichen Leben, aber auch im Umgang mit Kundinnen und Kunden im Hörakustikfachgeschäft.
„Ich habe Sie hier noch nie gesehen“, sagte einst zu mir eine Kundin, die ihr Leben lang in der gleichen Straße wohnte, in der sich auch unser Fachgeschäft befand. Da hatten wir gerade das zehnjährige Firmenjubiläum hinter uns. Auch wenn diese Szene ein paar Jahre zurückliegt, hat sich seitdem etwas an der Situation geändert?
Eine alte Schulfreundin erhielt kürzlich eine Verordnung vom HNO-Arzt und bat mich im Vorfeld um Infos. Am Ende fragte sie: „Und wo ist ein Fachgeschäft hier in der Nähe?“ Ich schaute sie ungläubig an. Ein etabliertes Fachgeschäft befindet sich keine fünf Gehminuten von ihrer Wohnung entfernt. An diesem geht sie auf ihrem Weg zur S-Bahn jeden Tag vorbei.
Oder machen Sie sich mal den Spaß und fragen einen Menschen auf der Straße, wo der nächste Hörakustiker ist, da Sie dringend Batterien brauchen. Es folgt in der Regel ein Schulterzucken. Fragen Sie nach: „Die Batterien gibt es auch in Apotheken. Wo ist die nächste Apotheke?“ Sie erhalten Antworten in Sekundenschnelle.
Anscheinend haben Hörakustikfachgeschäfte die Sichtbarkeit von Bestattungsunternehmen. Erst wenn man betroffen ist, macht man sich Gedanken. Davor schaut man einfach weg. Menschen sind seit jeher Verdrängungskünstler. Es ist ein Kreuz. Wir haben einen so tollen Beruf, aber keiner kennt uns. Woran liegt das nur? Und vor allem stellt sich die Frage: Was kann man dagegen tun?
Eine Aktion zum Welttag des Hörens? Bei mir gibt es in der näheren Umgebung fünf Fachgeschäfte. Sowohl große Ketten als auch inhabergeführte Fachgeschäfte. Keines hat je an diesem Tag irgendwas veranstaltet. Warum ist das so? „Bei uns ist jeder Tag ein Tag des Hörens“, ist eine gängige Antwort. Das scheint jedoch niemand zu wissen, außer Bestandskunden, doch um die geht es an dieser Stelle nicht.
Vorschlag: Zum Welttag des Hörens am 3. März sind ALLE Hörakustiker und Hörakustikerinnen verpflichtet, an einer aufmerksamkeitsstarken Aktion teilzunehmen. Damit ist nicht das Verteilen von Blumen oder ähnliches gemeint. So etwas ist spätestens in fünf Minuten vergessen. Es müsste schon ein wenig radikaler sein. Wie wäre es zum Beispiel damit, sich an diesem Tag mit Abformmaterial auf der Straße vor dem Fachgeschäft festzukleben? Oder man beauftragt einen Hacker, alle Smartphones zu sperren, mit der Nachricht auf dem Display: Zum Entsperren muss ein Hörakustikfachgeschäft aufgesucht werden. Das ist zu negativ und schadet unter Umständen dem Image? Mag sein, doch was man gar nicht hat, kann auch nicht beschädigt werden.
Alternativ könnte man Schüler und Schülerinnen verpflichten, statt Englischvokabeln (dank KI-Übersetzungsprogrammen braucht man die eh nicht mehr) am Welttag die Adressen von fünf Fachgeschäften auswendig zu lernen. Je früher man anfängt, Menschen anzusprechen, desto besser. Oder Jugendliche erhalten nur Zugang zu Social Media, wenn sie die Adresse eines Fachgeschäfts bei der Anmeldung eingeben können. Das dürfte wahrscheinlich eine größere Hürde darstellen als irgendeine Altersbeschränkung. Zudem erhalten sie so die Info, dass es diesen tollen Beruf überhaupt gibt und Bewerbungen für eine Ausbildung gerne angenommen werden.
Wie dem auch sei, eines steht fest: Es muss sich zukünftig etwas radikal ändern, um mehr Sichtbarkeit zu erhalten. Haben Sie weitere Vorschläge? Wir freuen uns über jede IHRER Ideen unter info@audioinfos365.de